Exzessionismus ?
Der Stilbegriff Exzessionismus steht für einen simultanen Schaffensprozess mehrerer Personen, die sich gegenseitig beeinflussen und inspirieren. Durch das gemeinschaftliche Vorgehen erschaffen die an einer exzessionistischen Aktion Beteiligten Bilder, Formen, Wörter und Klänge, zu denen der einzelne Künstler keinen Zugang finden kann.
Synergien im schöpferischen Bereich entstehen zu lassen, ist tragendes Grundprinzip des Exzessionismus. 1+1=3 oder: Die Summe ist mehr als die Addition ihrer Teile.
Das exzessiv wirkende Werk der Exzessionisten beruht neben aller Exzession auf gegenseitiger Inspiration, auf der Basis von Schlüsselkompetenzen wie Teamfähigkeit, Kompromissfähigkeit und Durchsetzungsvermögen.
Im gemeinsamen schöpferischen Handeln entstehen Synergien, die dem Individualkünstler verwehrt bleiben.
Ein exzessionistisches Werk kann niemals durch die Hand eines einzelnen Künstlers entstehen. Ein exzessionistisches Werk entsteht durch simultanes Arbeiten mindestens zweier Künstler an einem Werk.
Damit nimmt der Exzessionismus Abschied vom nie in Frage gestellten Paradigma des Individualkünstlers, von der "Heiligung des Individualismus", und ersetzt diesen durch die Gruppe.
Ein neuer Ismus? Die Entstehung...
In den Jahren 1986/87 beginnen die Künstler Udo Grimmer, Robert Mayer und Albrecht Nolting ihre Experimente mit gemeinschaftlichen Schaffensprozessen. Um dem eigenen Schaffen auf der begrifflichen Ebene eine adäquate Bezeichnung zu geben, bezeichnen sie ab 1988 ihren eigenen Stil, die Idee des gemeinschaftlichen Erschaffens, als Exzessionismus und nennen sich selbst "Der Exzessionistische Kreis".
Der Exzessionistische Kreis verfolgt ein Konzept der Gemeinschaftlichkeit und des menschlichen und schöpferischen Austauschs. So sind bei exzessionistischen Aktionen - gemeinschaftlichen Schaffensprozessen - auch immer wieder andere Menschen aus den Bereichen Bildende Künste, Musik, Medien, Kommunikation, Handwerk, Bildung, Technologie und mehr beteiligt. Durch unterschiedlichste Konstellationen der Beteiligten entstehen Werke mit unterschiedlichstem Ausdruck. Gemeinsam ist allen der Grundgedanke des gemeinsamen schöpferischen Handelns. Um diesem Handeln einen Rahmen zu geben, entwirft Der Exzessionistische Kreis ein Manifest, in dem der Begriff Exzessionismus genau beschrieben wird: → Das Exzessionistische Manifest.
Mit dem Exzessionistischen Manifest wird allen Künstlern, Interessierten und Experimentierfreudigen ein Leitfaden an die Hand gegeben, um selbst exzessionistisch (im ursprünglichen Sinne des Begriffs) arbeiten zu können. Denn: Exzessionismus ist ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen!
Die Materialisierung schöpferischer Synergien
Der Exzessionistische Kreis beansprucht für sein Werk einen eigenen Stilbegriff: Exzessionismus! Das eigene Werk wird durch diesen Stil- bzw. Gattungsbegriff von anderen Werken bewusst abgegrenzt. Grundprinzip des Exzessionismus ist das gemeinschaftlich erschaffene Werk. Der gemeinschaftliche künstlerische Prozess in immer wieder wechselnden Künstler-Konstellationen setzt Synergieeffekte frei und bedient sich ebenso archetypischer Symbole wie zeitkritischer Ansätze und reicht vom Objekt bis zur Aktion..
Während die gängigen Ismen oder andersartigen Stilbezeichnungen das jeweilige Werk auf der Gestaltebene bezeichnen (Kubismus, Surrealismus, ...) wird der Begriff des Exzessionismus zu einem neuen Ansatz, indem er das Werk auf der Prozessebene beschreibt:
Das Entstehungsprinzip dominiert das Gestaltprinzip.
Durch diesen grundlegenden Unterschied im Entstehungsprozess eines exzessionistischen Werkes im Gegensatz zu anderen Werken, erscheint die Beanspruchung eines eigenen Stilbegriffs als folgerichtiger Akt einer angemessenen Abgrenzung und Beschreibung des exzessionistischen Werks.
Exzessionismus? Exzessionismus!
[<<zurück]